Public food can be a leader

Was wir vom Kantine-Zukunft-Talk mit Kevin Morgan mitnehmen

Wie wir unsere Mitmenschen in Schulen, Krankenhäusern oder Gefängnissen ernähren, ist ein Maßstab für soziale Gerechtigkeit und nachhaltige Entwicklung.
Mit dieser Haltung eröffnete der Kantine-Zukunft-Talk „Serving the Public – Ernährungshäuser für gute Kantinen und eine starke Gesellschaft“ am 20. November 2025 einen Abend, der die gesellschaftliche Bedeutung öffentlicher Verpflegung in den Mittelpunkt stellte.

Rund 70 Gäste durften wir im Friends Space in Berlin-Kreuzberg begrüßen – viele neue Gesichter ebenso wie langjährige Wegbegleiter*innen. Gemeinsam beleuchteten wir, wie nachhaltige Angebote in Kantinen und Mensen umgesetzt werden können, welche politischen Rahmenbedingungen es dafür braucht und welche Rolle Infrastrukturen wie Ernährungshäuser dabei übernehmen können, um das Zusammenspiel von Gemeinschaftsverpflegung und kommunaler Ernährungspolitik wirkungsvoll zu stärken.

Den Auftakt machte Dr. Philipp Stierand, Projektleiter der Kantine Zukunft und Geschäftsführer von Speiseräume. In seinem Einstieg machte er deutlich, warum die Kantine-Zukunft-Talks bewusst offen angelegt sind: als Ort an der Schnittstelle von Gemeinschaftsgastronomie, Ernährungspolitik und Stadtentwicklung. Dabei wurde es auch persönlich. Schon früh habe ihn die Idee bewegt, Ernährung als städtisches Thema zu denken – Kevin Morgans Arbeit sei dabei ein wichtiger Bezugspunkt gewesen und habe auch die spätere Arbeit von Speiseräume und Kantine Zukunft beeinflusst.

Auf dem Podium kamen unterschiedliche Perspektiven aus Forschung und Praxis zusammen: Prof. Kevin Morgan (Cardiff University) traf auf Daniela Schmid (Haus der Kost, München), Florian Minzlaff (Forum Küche, Bremen) und Laura Berkenberg (Stadt-Land-Küche, Sachsen). Moderiert wurde der Abend von Projektleiterin Dinah Hoffmann (Kantine Zukunft).

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Gemeinschaftsverpflegung zu Gesundheit, Teilhabe und nachhaltiger Entwicklung beitragen kann. Der Abend zeigte deutlich: Die von Kevin Morgan beschriebene „Good Food Revolution“ ist auch in Deutschland längst am Laufen – mit diversen Ansätzen vielerorts, engagierten Akteur*innen und Strukturen, die es gilt, nachhaltig zu etablieren.

Öffentliche Mahlzeiten als gesellschaftlicher Hebel

Mit Prof. Kevin Morgan war einer der international prägenden Denker für nachhaltige Ernährungspolitik zu Gast. In seinem Impuls stellte er zentrale Thesen aus seinem Buch Serving the Public: The Good Food Revolution in Schools, Hospitals and Prisons vor.

Anhand von Beispielen aus New York, Malmö, Cardiff und Kopenhagen zeigte Morgan, wie Städte öffentliche Beschaffung nutzen können, um Ernährungssysteme gesünder, würdiger und klimafreundlicher zu gestalten. Sein Kernargument: Öffentliche Verpflegung ist weit mehr als Versorgung – sie ist ein politisches Werkzeug und ein Spiegel gesellschaftlicher Werte.

“Public food can be a leader – not a laggard – in promoting social justice, public health and ecological integrity.”

“Good food is one of the most important ways to show that we care for ourselves, for others, and for our planet.”

Die Aufzeichnung seines Impulses gibt es in voller Länge auf dem Speiseräume-YouTube-Kanal:

Gute Beispiele liegen näher, als man denkt

Während Kevin Morgan internationale Perspektiven einbrachte, machte das Podiumsgespräch deutlich, wie konkret die „Good Food Revolution“ in Deutschland bereits umgesetzt wird.

Daniela Schmid vom Haus der Kost in München beschrieb einen Ansatz, der bewusst an den strukturellen Grundlagen ansetzt. Der Aufbau stabiler regionaler Wertschöpfungsketten, aktives Bioregionen-Management und die direkte Begleitung der Küchen gehören dort zusammen. Gutes Essen, so Schmid, zeige sich nicht nur auf dem Teller, sondern im gesamten Ernährungssystem: Es müsse gesundheitsförderlich, ökologisch und fair produziert, für alle zugänglich und auch langfristig bezahlbar sein. In fünf Jahren wünscht sie sich, dass „bio, regional, saisonal, pflanzenbetont und fair“ in den städtischen Einrichtungen zur Normalität geworden ist.

Florian Minzlaff vom Forum Küche in Bremen rückte den Weg dorthin in den Mittelpunkt. In einem politischen Umfeld mit ambitionierten Zielen gehe es weniger um Perfektion als um kontinuierliche Unterstützung. Gutes Essen sei für ihn lecker, nachhaltig, gesundheitsfördernd und kultursensibel – und wirke auf mehreren Ebenen: auf das körperliche Wohlbefinden, das soziale Miteinander und das Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt. Forum Küche begleitet Einrichtungen mit Beratung und Weiterbildung und versteht sich perspektivisch als Kompetenzzentrum für nachhaltige Ernährung, insbesondere für Kitas und Schulen.

Laura Berkenberg von Stadt-Land-Küche in Sachsen lenkte den Blick auf die praktische Zusammenarbeit mit den Küchenteams vor Ort. Ihre Erfahrung zeigt, dass Motivation und Bereitschaft oft vorhanden sind – die Herausforderung liege darin, nachhaltige Lösungen unter realen Bedingungen umzusetzen. „Entscheidend ist, gemeinsam mit den Teams Wege zu entwickeln, die im Arbeitsalltag funktionieren“, betonte Berkenberg. Transformation gelinge dort, wo Überforderung vermieden und Veränderung anschlussfähig gestaltet werde.

Der Kantine-Zukunft-Talk hat gezeigt: Die Grundlagen für gute öffentliche Verpflegung sind vielerorts bereits gelegt. Erfolgreiche Projekte, engagierte Küchenteams und funktionierende Strukturen existieren und können weiter an Wirkung gewinnen.

Oder, um es mit Kevin Morgan zu sagen: Öffentliche Mahlzeiten sind kein Randthema. Sie sind ein Ort, an dem gesellschaftlicher Wandel konkret wird – jeden Tag, für Millionen Menschen.

Ausblick

Auch 2026 setzen wir die Kantine-Zukunft-Talks fort und vertiefen zentrale Fragen rund um gute öffentliche Verpflegung:

Mi. 22.04.26
Social Gastronomy – Impulse für ein gerechtes Ernährungssystem

Do. 15.10.26
Lebensmittelhandwerk – Zwischen Herkunft und Zukunft

Aktuelle Informationen zu Terminen und Inhalten veröffentlichen wir auf unserer Veranstaltungsseite.

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Veranstaltungen für die Berliner Gemeinschaftsgastronomie: Workshops, Treffs & Talks – unser Programm 2026. Jetzt anmelden!

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