Küchenteams auf dem Land – Exkursion zum Ökohof Kuhhorst

Am Mittwoch, 31. August 2022 hieß es wieder: Für einen Tag Messer gegen Mistgabel tauschen! Zusammen mit Berliner Kantinenakteur*innen ging es ins Ruppiner Land zum Ökohof Kuhhorst um hinter die Kulissen der Bio-Landwirtschaft zu blicken. Mit dabei waren Köch*innen und Küchenleiter*innen aus verschiedenen Bildungseinrichtungen. Die Teilnehmer*innen hattet einen aufregenden und ereignisreichen Tag, denn wo ließen sich die Besonderheiten der ökologischen und insbesondere der biologisch-dynamischen Landwirtschaft besser erleben als direkt auf dem Hof?

Begrüßt wurden wir von Betriebsstättenleiter Hannes-Peter Dietrich, der uns etwas zur Entstehung und Vielfältigkeit des Hofes erzählte. Der Ökohof bewirtschaftet 520 Hektar Fläche, dessen Betriebskonzept auf verschiedenen Standbeinen steht: Geflügelhaltung, Milch- und Fleischproduktion, Mastrinder- sowie Mastschweine, Getreide- und Kartoffelanbau sowie eine Gemüsegärtnerei und weiterverarbeitende Betriebszweige. Ein Großteil der landwirtschaftlichen Erzeugnisse wird direkt in Kuhhorst verarbeitet. Geflügel wird sogar selbst geschlachtet. Viele Tätigkeiten, für die es auch viele Hände braucht. Der ehemalige Gutshof ist seit seiner Gründung auch ein sozial-integrativer Ort. Er wurde in den 1990er Jahren vom gemeinnützigen Träger Mosaik-Berlin e.V. übernommen – mit der Idee, ein Arbeitsangebot in der Landwirtschaft für Menschen mit Behinderung zu schaffen. Mittlerweile arbeiten hier 25 Festangestellte gemeinsam mit über 90 Menschen mit Behinderung, die viele der wichtigen Aufgaben übernehmen und den Ort prägen. Einige leben im Dorf, andere reisen täglich aus Berlin zur Arbeit an.

Damit wir auch schmecken, was der Hof produziert gab es vor der Tour eine Verkostung der hofeigenen Produkte. Von Anfang an beliefert der Ökohof Kuhhorst die Kantinen des eigenen Trägers Mosaik e. V. in Berlin und arbeitet auch mit anderen Einrichtungen aus der Gemeinschaftsverpflegung wie z. B. Kitas zusammen. Die Kartoffeln vom Ökohof eignen sich besonders gut für die Gemeinschaftsverpflegung, auch weil die Kuhhorster mit dem Schälbetrieb GEKO in Templin zusammenarbeiten. Mehle, Gemüse, Frischmilch und Fleischprodukte liefert der Ökohof ebenfalls bereits an Großküchen und versorgt verschiedene Kitas mit Müsli. Bei verarbeiteten Fleischprodukten wie Hackfleisch oder Würstchen könne man, laut Hannes-Peter Dietrich, der Gemeinschaftsverpflegung preislich am meisten entgegenkommen und auch immer schnell liefern. Er wünsche sich, dass immer mehr Köch*innen es wagen, mit Bio-Lebensmitteln zu arbeiten. Vor allem an langfristigen, auf Überzeugung aufgebauten Beziehungen sei man hier interessiert.

Bei der Hoftour ging es vorbei am mit Gemüsebeladenen Traktor, über die Kartoffelverpackungsmaschine (24 Sorten Kartoffeln werden hier angebaut!) zum Getreidelager. Die Getreideproduktion ist eins der größeren Standbeine des Betriebs. Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste und Hafer werden angebaut, vor Ort geschält und zum Mahlen zur Getreidemühle in Wustermark gebracht.

Nächste Station waren die Hühnermobile. Hier werden die 1050 Hühner der Rasse Lohmann Brown Classic gehalten. Ein Huhn legt ca. 280-300 Eier im Jahr. Legt die Legeleistung nach, werden die Hühner entweder an Privatpersonen verkauft oder direkt auf dem Hof geschlachtet und weiterverarbeitet. Auch Gänse gibt es bei den Kuhhorstern. Besonders zur Weihnachtszeit sind diese sehr gefragt und schon Monate vorher ausverkauft.

Im Schweinestall angekommen quicken uns die Ferkel neugierig entgegen. Der Ökohof Kuhhorst in ein sogenannter Archehof. Diese Höfe erhalten aktiv vom Aussterben bedrohte Nutztierrassen und züchten diese weiter. Daher hat der Ökohof beispielsweise auch deutsche Sattelschweine, deren Bestand in Deutschland sehr gering ist. Neben Stroh und Grünschnitt im Sommer bekommen die Schweine hier auch aussortierte, gekochte Kartoffeln zu fressen, genauso wie aussortiertes Obst und Gemüse vom Hof.

Nach dem Mittagessen – Kuhhorster Kartoffeln mit Kräuterquark, ein Kantinen-Klassiker – ging es noch zum Kuhstall. Hier kümmerst sich Jule seit mittlerweile 12 Jahren um die Herde. Etwas 90 Milchkühe werden hier gehalten, viele weitere sind in Nachzucht.

Vor der Rückfahrt geht es noch zur letzten Station, wo Nudeln und Müslis produziert und Getreideprodukte abgepackt werden. Mit einem leckeren Stück selbstgebackenen Kuchen endet die Tour.

Vielen Dank an alle Teilnehmer*innen und die Mitarbeiter*innen des Ökohof Kuhhorst für diese tolle Exkursion!

Fotos: Dinah Hoffmann

Wir verwenden nach Ihrer Zustimmung Matomo um herauszufinden, was Ihnen gefällt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.